Samstag, 30. Mai 2015

Al-Qawqa'a: Die Muschel - Mustafa Khalifa

Während alle Welt über die Eroberung Palmyras durch den IS berichtete und sich die Presse mit ihrer Sorge um die Ruinen und um das UNESCO Weltkulturerbe wieder einmal übertrafen. Musste ich an das wohl schlimmste Gefängnis Syriens denken. Natürlich nicht, weil ich je mit dem "Königreich des Todes" in Berührung kam, sondern weil ich erst vor kurzem den Roman Al-Qawqa'a (Die Muschel) von Mustafa Khalifa gelesen habe. Seine Filmreife und traurige Geschichte hat mich sehr berührt und mich dazu veranlasst diese Rezension zu verfassen. 


Beirut: Dar al-Adab 2008
"Die Muschel- Tagebuch eines Spanners" von Mustafa Khalifa handelt vom jungen Musa, der in Frankreich Kunst und Filmregie studiert hat und bei seiner Rückreise nach Syrien noch am Flughafen verhaftet wird. In einer Vorstation wird er mit Muslimbrüdern gefangen gehalten und auf grausamste Art und Weiße gefoltert. Ihm wird vorgehalten zu der in Syrien geltenden Terrorgemeinschaft der Muslimbrüderschaft anzugehören. Das er Christ ist, spielt für die Gefängniswärter keine Rolle und dass er im Kern eigentlich auch Atheist ist und es schier unmöglich ist mit der Muslimbrüderschaft zu arbeiten macht die Sache nur noch schlimmer, als seine Mitinsassen davon erfahren. Ohne zu wissen was ihm als Verbrechen angelastet wird, landet er im berühmt berüchtigten Wüstengefängnis Tadmor und verbringt dort 13 Jahre seines Lebens unter den grausamsten Foltermethoden, psychischen Terror und täglicher Todesangst. Sei es von den Wärtern, die kein Erbarmen kennen oder seitens der meisten Mitinsassen die ihn als Ungläubigen, Abtrünnigen und Spion ansehen, der nichts anderes als den Tod verdient hat. 

Der Autor 

Mustafa Khalifa (geb. 1948) ist ein syrischer Autor, der Kunst und Filmregie in Frankreich studiert hat. Bei seiner Rückkehr wurde er im Flughafen verhaftet. Von 1982-1994 saß er ohne Anklage oder ein Recht auf Verteidigung für 13 Jahre im legendären Wüstengefängnis Tadmor, welches 2001 geschlossen wurde.  Nach dem Aufbruch der Unruhen wurde es 2011 wieder eröffnet und ist momentan in der Hand des selbsternannten Islamischen Staates. Die Muschel ist sein bisher erstes Buch. 


Meine Gedanken 

Mit dem Gedanke klar zu kommen, dass das nicht nur ein frei erfundener Roman ist, sondern auf einer wahren Begebenheit beruht, ist nicht wirklich leicht und lässt einen verzweifeln. Seine detaillierte Beschreibung der Foltermethoden ist nicht für schwache Nerven geeignet und fesselt einen trotz des Schmerzes und der Trauer unter Tränen weiter zu lesen. Es verpflichtet einen regelrecht dazu. Nach all dem Leid, das er durchgemacht hat, hat er ein Anrecht darauf, dass die Welt erfährt, wovor sie gern die Augen verschließt. 

Den Roman habe ich auf Arabisch gelesen. Eine Übersetzung ins Deutsche wäre absolut empfehlenswert. 

Ausschnitte:



Kommentare :

  1. Hallo Huda,

    vielen Dank für die Besprechung dieses Buchs. Meine syrischen SchülerInnen (ich unterrichte Deutsch als Fremdsprache) haben mich auf den Autor und seine
    Erzählungen aufmerksam gemacht, konnten aber kaum etwas dazu sagen, weil sie damals noch Deutsch-Anfänger waren. Ich habe jetzt "Mustafa Khalifa - Erzählungen" gegoogelt und bin so auf dein Blog gestoßen.
    Du schreibst so treffend, der Autor hat ein Anrecht, gehört zu werden, das sehe ich genauso, auch wenn oder gerade weil seine Geschichte so schwer ist.

    Ich habe natürlich noch ein bisschen auf deinem Blog gestöbert, die Idee auf deutsch und arabisch zu schreiben, und beiden Kulturen die jeweils andere zu zeigen ist toll !

    LG Barbara

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    1. Hallo Barbara,

      schön, dass du hier her gefunden hast. Es freut mich auch sehr das ich einen kleinen Beitrag dazu leisten kann.

      Vielen Dank für den Feedback!

      Liebe Grüße
      Huda

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